Gleitende Durchschnitte sind Trendfolgeindikatoren. Es gibt verschiedene Berechnungsansätze, die über beliebige Zeiträume und mit unterschiedlichen Kursen angewandt werden können. Allen Durchschnitten gemein ist ihre Eigenschaft als „bewegliche“ Trendlinie, die objektiv und ohne Interpretationsspielraum Aussagen über die Trendrichtung des Marktes liefert. Jedes Analyseprogramm erlaubt die Berechnung und Darstellung von gleitenden Durchschnitten.
Ein einfacher Gleitender Durchschnitt (im Englischen „Simple Moving Average) gibt den Durchschnitt der Kurse der letzten X Perioden an. Bei Perioden kann es sich im Tage, Wochen, Stunden oder Minuten handeln. Im Forex Trading werden häufig Durchschnitte auf Stunden- oder Tagebasis angewandt.
Ein einfacher Gleitender Durchschnitt mit X=10 gibt den durchschnittlichen Kurs der letzten 10 verwendeten Zeiteinheiten an. Mit der Aufnahme jeder neuen Zeiteinheit fällt die jeweils älteste heraus. In die Berechnung können die Schlusskurse der jeweiligen Perioden genauso einfließen wie die Durchschnittskurse.
Gleitender Durchschnitt: Je länger, desto träger
Der Durchschnitt wird im Chart als Linie dargestellt. Die Linie reagiert umso stärker auf Marktbewegungen, je weniger Perioden sie umfasst. Ein kurzer gleitender Durchschnitt schlägt deshalb schnell aus und entfernt sich nie weit vom Markt. Ein sehr langer Durchschnitt hingegen verhält sich träge und entfernt sich vor allem bei raschen Kursbewegungen in die eine oder andere Richtung deutlich vom Kurs.
Die simpelste Anwendung des Gleitenden Durchschnitts verwendet ihn ohne weiteren Filter als Indikator für den vorherrschenden Trend, dem gefolgt wird. Beispiel: Steigt der Markt von unten über seinen 250-Tage-Durchschnitt, wird das als Longsignal interpretiert. Fällt er hingegen von oben unter die Durchschnittslinie, wird entweder nur die Longposition geschlossen oder sogar eine (Netto)- Shortposition eröffnet.
(Grafik 1)
In der Praxis wird dieses einfache Konzept eher selten genutzt. Es verdeutlicht aber dennoch grundlegende Eigenschaften und Schwächen von Gleitenden Durchschnitten. Der in diesem Fall sehr lange Durchschnitt führt dazu, dass ein Großteil des Marktrends verpasst wird, weil das Einstiegssignal erst spät erfolgt. Auch der Ausstieg wird erst deutlich nach dem Erreichen des Tops signalisiert. Ein kürzerer Durchschnitt würde schneller Signale erzeugen – dafür aber auch mehr Fehlsignale. Vor allem in volatilen Seitwärtsphasen kosten kurze gleitende Durchschnitte viel Geld.
Die Optimierung dieses Zielkonflikts ist Gegenstand unzähliger Handelssysteme, die auf Gleitenden Durchschnitten aufgebaut sind. Neben Filtern kommen auch anderen Durchschnittswerte (der Durchschnitt wird dann z. B. linear oder exponentiell gewichtet) zum Einsatz.